Es werden zerkleinerte Haare in mehreren Bechergläsern dargestellt.

Haaranalytik am Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin

Die Abteilung für Forensische Toxikologie beschäftigt sich mit

  • der Durchführung und Interpretation der Haaranalyse,
  • dem Nachweis chronisch-exzessiven Alkoholmissbrauches,
  • Untersuchung möglicher Einlagerungswege in das Haar und
  • äußerer oder innerer Einflüsse auf die Substanz-Konzentration.

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Warum sind Haare für die forensische Toxikologie interessant?

Kopfhaare eignen sich besonders zur retrospektiven Prüfung auf einen Substanzmissbrauch, da sie wegen der dauerhaften Einlagerung in die Haarmatrix ein viel größeres Zeitfenster besitzen als beispielsweise Blut oder Urin. Aufgrund ihres gleichmäßigen Wachstums ermöglichen sie weiterhin eine zeitauflösende Diagnostik.

Haaranalysen in der Forensischen Toxikologie

Den genannten Vorteilen der Haarmatrix stehen allerdings auch eine Reihe von Nachteilen gegenüber. So resultiert aus der Physiologie des Haarwachstums eine zeitliche Unsicherheit, die sich aus

  • der intra- und interindividuellen Variabilität des Haarwachstums,
  • der Anwesenheit katagener und telogener Haare,
  • der möglichen Einlagerung der Substanzen aus Schweiß, Sebum (Haartalg) oder
  • umgebenden Geweben

ergibt. Weiterhin gibt es keine interindividuelle Dosis-Konzentrations-Relation. Einmaliger Konsum ist in der Regel nicht nachweisbar, und durch die ungeschützte Position der Haare sind äußere Kontaminaion und Manipulation möglich.

Durchführung und Interpretation der Haaranalyse erfolgen in Deutschland bisher nach keinen einheitlichen Kriterien. Die wachsende Akzeptanz der Haaranalytik in der forensischen Begutachtung erfordert die Definition klarer Richtlinien hinsichtlich der zur Untersuchung herangezogenen Haarlänge, der Anwendung toxikologischer Screenings und der Verwendung von Cut-off-Werten bei der Interpretation der Analysenergebnisse.

Nachweis eines Alkoholmissbrauches in Haaren

Die Abeitsgruppe beschäftigt sich seit 2000 mit dem Nachweis chronisch-exzessiven Alkoholmissbrauches in Haaren.

Gelingt der Nachweis einer akuten Beeinflussung durch Alkohol problemlos aus  Blut und Serum, so stellt der Nachweis länger zurückliegenden oder chronischen Alkoholmissbrauches ein großes Problem in der klinischen, wie forensischen Praxis dar.

Neben der Diagnostik länger bestehenden Alkoholmissbrauchs ist die Erkennung von Frühstadien des Alkoholismus von besonderer Bedeutung. Alle bisher in der klinischen Praxis verwendeten üblichen Labormarker für chronischen Alkoholabusus beruhen auf der bereits eingetretenen reversiblen oder irreversiblen Schädigung von Organen oder Organsystemen. Diese Marker können auch durch andere Stoffe und Erkrankungen beeinflusst werden und sind somit nur bedingt aussagekräftig. Zudem liefern diese Marker nur begrenzt Auskunft über weiter zurückliegenden Alkoholkonsum und erbringen keine guten Ergebnisse in Bezug auf Frühstadien des Alkoholismus.

1981 wurden Fettsäureethylester (FSEE) als direkte, nichtoxidative Produkte des Ethanolstoffwechsels nachgewiesen. Seitdem wurden FSEE intensiv untersucht.  Von Pragst et al. wurde 2000 erstmals der analytische Nachweis von FSEE in Haaren beschrieben.

Neben der Untersuchung möglicher Einlagerungswege in das Haar, äußerer oder innerer Einflüsse auf die FSEE-Konzentration im Haar und der Definition von Cut-off-Werten sind derzeit Vergleichsstudien mit anderen Alkoholmarkern Gegenstand der Forschung der Arbeitsgruppe.

Ansprechpartner

Prof. Dr. rer. nat. Fritz Pragst

Gastwissenschaftler

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