Mitarbeiterin pipettiert

Populationsgenetik am Institut für Rechtsmedizin der Charité

Die Abteilung Forensische Genetik beschäftigt sich mit

  • Mutation und Rekombination,
  • genetischer Drift und
  • Migration und Selektion.

Ein besonderer Schwerpunkt der populationsgenetischen Forschung am Institut für Rechtsmedizin liegt in der Untersuchung von Polymorphismen sowie selektierter Sequenzen.

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Populationsgenetik

Europäische Y chromosomale Populationspools
Europäische Y chromosomale Populationspools
Quelle: www.yhrd.org

Microevolutionäre Prozesse innerhalb einer Art spielen sich auf Populationsebene ab. Auch der Mensch, eine außerordentlich junge Spezies, entwickelt sich weiter und ist Gegenstand der populationsgenetischen Forschung.

Die Untersuchung der genetischen Diversität auf molekulare Ebene, d.h. die Analyse von Veränderungen von Allelfrequenzen in Raum und Zeit, kann die grundlegenden Kräfte der Evolution, die auf eine Population wirken, modellhaft beschreiben:

  • Mutation und Rekombination generieren Diversität
  • genetische Drift eliminiert Diversität
  • Migration und Selektion verändern Diversität.

Übersichtsarbeit zur Forensischen Genetik

Untersuchung von Polymorphismen

Hochvariable genetische Merkmale werden in der Rechtsmedizin der Charité seit vielen Jahrzehnten intensiv erforscht (s. Prokop und Göhler, Die menschlichen Blutgruppen, 1. Auflage 1963, 5. Auflage 1986), mit dem Ziel immer neue populationsgenetisch gut charakterisierte Marker für die Abstammungsuntersuchung und Spurenanalyse zur Verfügung zu stellen. Seit der Entdeckung des Genetic Fingerprinting im Jahre 1985 treten hunderte von polymorphen Markern, die direkt auf DNA-Ebene analysiert werden, hinzu.

Die Arbeitsgruppe Forensische Genetik erforscht seit dem Ende der 80er Jahren sowohl die Polymorphismen neutral evolvierender Loci (STRs, short tandem repeats) sowie selektierte Sequenzen, insbesondere die HLA-Region. Neben der Evaluation dieser Marker für die forensische DNA-Individualisierung, haben wir viele Arbeiten zur Populationsgenetik und evolutionären Genetik des Menschen publiziert. Insbesondere unsere Untersuchungen Y-chromosomaler Marker (Haplotypen) zeigen, dass sich rezente humane Populationen

1. entlang geographischer oder kultureller Grenzen differenzieren, und

2. in einem phylogenetischen Stammbaum in definiertem evolutionärem  Abstand anordnen.

Populationsdatenbank für Y-Chromosomale Haplotypen

In Kooperation mit mehr als 270 Instituten aus 120 Ländern ist es der Abteilung Forensische Genetik gelungen, die weltweit größte Populationsdatenbank für Y-Chromosomale Haplotypen (STRs und SNPs) zusammenzutragen und als Tool für

  • forensische,
  • anthropologische und
  • genealogische

Untersuchungen allgemein verfügbar zu machen.

Ansprechpartner

Prof. Dr. rer. nat. Lutz Roewer

Abteilungsleiter Forensische Genetik

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